Wirtschaftspolitischer Ausschuss 2026
Wie gelingt die Unternehmensnachfolge im Handwerk?
Tausende Unternehmerinnen und Unternehmer im Handwerk werden in Nordrhein-Westfalen in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen und suchen einen Nachfolger für ihren Betrieb. Damit eröffnen sich für die nächste Generation vielfältige Chancen zur unternehmerischen Selbstständigkeit im Handwerk. Gleichzeitig ist eine Betriebsübernahme mit zahlreichen Herausforderungen verbunden. Wie also kann die Übergabe des Staffelstabs möglichst reibungslos funktionieren und welche Förder- und Unterstützungsmöglichkeiten können dabei genutzt werden? Diese Fragen standen im Mittelpunkt der diesjährigen Sitzung des Wirtschaftspolitischen Ausschusses von HANDWERK.NRW.
Marvin Westenberger, wirtschaftspolitischer Referent der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, gab einen Überblick zu verschiedenen Fördermöglichkeiten im Land Niedersachsen und hob dabei insbesondere ein zwölfmonatiges Coachingprogramm zur Betriebsnachfolge mit Gruppen- und Einzelsitzungen hervor, das sehr gut angenommen werde und eine individuelle Begleitung der Nachfolge ermögliche. Gleichzeitig stellt er dar, dass die Mehrheit der Betriebe keine finanzielle Unterstützung bei der Nachfolge in Anspruch nehme – entweder aus Unkenntnis über bestehende Fördermöglichkeiten oder aber, weil der Aufwand für die Beantragung und Abrechnung als zu hoch eingeschätzt werde.
Oliver Steinke von der Landes-Gewerbeförderungsstelle des NRW-Handwerks stellte ergänzend nordrhein-westfälische Förderprogramme wie die Meisterprämie und die Meistergründungsprämie vor. Letztere war zum Jahresbeginn 2025 um einen zusätzlichen Bonus von 2.000 Euro für Betriebsübernahmen erweitert worden. Er betonte auch die Notwendigkeit zur Vereinfachung von Antragsverfahren. „Wir brauchen mehr Vertrauen in die Unternehmen und weniger Unterstellung von potenziellem Missbrauch, dann werden auch die Antragsunterlagen deutlich schlanker“, erklärte Steinke.
Komplettiert wurde die Runde von Michael Monstadt von der NRW.Bank, der die Unterstützungsangebote der nordrhein-westfälischen Förderbank darlegte und die Relevanz einer frühzeitigen Planung der Betriebsnachfolge unterstrich.
In der anschließenden Diskussion wurde klar, dass es bereits vielfältige Fördermöglichkeiten für Handwerksbetriebe rund um die Unternehmensnachfolge gibt, diese aber oftmals gar nicht bekannt sind. Der Ausschussvorsitzende Marco Herwartz, Präsident der Handwerkskammer Aachen, hielt deshalb abschließend mit Blick auf die Förderlandschaft fest: „Wir brauchen mehr Transparenz, eine klare Kommunikation und eine zentrale Anlaufstelle für unsere Betriebe. Diese Anlaufstelle muss die jeweilige Handwerkskammer sein – sie kann beraten, unterstützen und vermitteln.“
