#hum12 - Folge 53: Peter Haas
Baden-Württemberg nach der Wahl: Perspektiven für Mittelstand und Handwerk
Strukturwandel, Fachkräfte, Bürokratie: Viele der Themen, die derzeit die wirtschaftspolitische Debatte prägen, spielten auch im baden-württembergischen Landtagswahlkampf eine Rolle. Das digitale Talkformat #handwerkum12 nahm den Südwesten in den Blick und ging der Frage nach, welchen Stellenwert das Handwerk in der politischen Auseinandersetzung einnahm. Einschätzungen lieferte Peter Haas, Hauptgeschäftsführer beim Baden-Württembergischen Handwerkstag.
Rückblickend, so Haas, habe der Wahlkampf stark unter dem Eindruck von Personalfragen gestanden. Dabei sei auch ein „Özdemir-Effekt“ nicht von der Hand zu weisen, der den Grünen Rückenwind verschafft habe. Wirtschaftspolitische Themen hätten zwar im Fokus gestanden, seien jedoch nicht allein wahlentscheidend gewesen. Stattdessen habe sich eine differenzierte Gewichtung der Themen in verschiedenen Wählergruppen gezeigt.
Positiv hervorzuheben ist laut Haas, dass zentrale Forderungen des Handwerks im Wahlkampf aufgegriffen worden seien. Ansätze zur Stärkung der beruflichen Bildung – darunter die Erhöhung der Meisterprämie und zusätzliche Investitionen in die Bildungsstätten – hätten Niederschlag in den Wahlprogrammen von CDU und Bündnis 90/Die Grünen gefunden. Auch das Ziel, bürokratische Belastungen für Betriebe zu reduzieren, sei parteiübergreifend adressiert worden. Damit verbinde sich von Seiten des Handwerks die Hoffnung, den in weiten Teilen der baden-württembergischen Wirtschaft wahrgenommenen „Stillstandsfrust“ zu überwinden.
Gerade mit Blick auf den Bürokratieabbau plädierte Haas für einen stärker praxisorientierten Ansatz. Instrumente wie Praxis-Checks, die bereits in NRW Anwendung finden, könnten dazu beitragen, Regelungen frühzeitig auf ihre Alltagstauglichkeit für Betriebe zu überprüfen. Zugleich sei eine konsequente Staatsmodernisierung erforderlich, um Verwaltungsverfahren effizienter zu gestalten und Betriebe spürbar zu entlasten. Ein neuer Ministerpräsident müsse das Thema zur Chefsache erklären – etwa durch eine stärkere Verankerung im Staatsministerium.
