#handwerkumzwoelf Folge 4

2. Juli 2021

#handwerkumzwoelf Folge 4

In der vierten Folge von #handwerkumzwoelf stand der renommierte Ökonom Prof. Gabriel Felbermayr vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel den Teilnehmern aus Handwerk, Landespolitik und regionaler Wirtschaft für eine Stunde Rede und Antwort. Zentrale Themen der „digitalen Mittagspause“ waren das von Felbermayr als Alternative zu den Corona-Hilfen der Bundesregierung entwickelte „Kieler Modell für betriebliche Stabilisierungshilfen“ und seine Konjunkturprognose für die Jahre 2021 und 2022. Im weiteren Verlauf der Diskussion war dann auch die Einschätzung des Wirtschaftswissenschaftlers zur Schuldenbremse, der Steuer- und Industriepolitik und den Lieferengpässen bei Baumaterialien gefragt.

Andreas Ehlert bekundete große Sympathie mit dem „Kieler Modell“, das insbesondere eigenkapitalstarke Unternehmen im Handwerk besser unterstützt hätte. Für eine Umsetzung in die Praxis sei es jetzt natürlich zu spät, so der Präsident von Handwerk.NRW. „Allerdings ist in der Ökonomie ja eines sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt. Und dann lohnt es sich, gut vorbereitet zu sein“, sagte Ehlert.

Garbiel Felbermayr stellte dem Krisenmanagement der Bundesregierung ein schwaches Zeugnis aus. Die Intention, Unternehmen durch Liquiditätshilfe umfassend zu unterstützen, sei richtig gewesen. Allerdings habe die Umsetzung dann nicht funktioniert. „Die Corona-Hilfen hatten grundlegende Konstruktionsfehler. Und wir haben gelernt, dass die deutsche Verwaltung nicht so produktiv ist, wie gedacht. Sie hat den Stresstest nicht bestanden“, resümierte Felbermayr nach 16 Monaten Pandemie. Das „Kieler Modell für betriebliche Stabilisierungshilfen“ verwende – anders als die Corona-Hilfen des Bundes – das Betriebsergebnis als zentrales Kriterium. „So gibt es keine Diskriminierung bestimmter Rechtsformen und vor allem keine Privilegierung von Eigenkapital gegenüber Fremdkapital“, so der Ökonom. „Das wesentliche Stabilisierungsziel muss die Stärkung des Eigenkapitalpuffers sein. Die derzeitigen Corona-Hilfen haben wegen ihrer Fixkostenfixierung aber vor allem den Banken, Vermieter und Leasingfirmen geholfen – und nicht den Unternehmen“, kritisierte Felbermayr.

Beim Konjunkturausblick zeigte sich der Präsident des IfW Kiel hingegen optimistisch: Für das laufende Jahr prognostizierte Felbermayr ein Wirtschaftswachstum von 3,9 % – 2022 rechne er sogar mit 4,8 % BIP-Wachstum. Die Corona-Krise sei ein exogener Schock gewesen. „Durch den Lockdown wurde die Wirtschaft wortwörtlich „ausgeknipst“. Nachdem wir den Schalter umgelegt haben, geht es jetzt auch schnell wieder bergauf“, so Felbermayr.