Pressemitteilung vom 9. Januar 2026

Dreikönigstreffen des NRW-Handwerks

Dreikönigstreffen des NRW-Handwerks – Ökonom Justus Haucap fordert wirtschaftspolitisches Reformprogramm für Deutschland. Handwerkspräsident Andreas Ehlert: „Brauchen grundlegende Agenda zur Staatsmodernisierung“

Das nordrhein-westfälische Handwerk hat das Jahr 2026 mit klaren Erwartungen an die Bundes- und Landesregierung für eine wirtschaftspolitische Wende eingeläutet. Beim traditionellen Dreikönigstreffen von HANDWERK.NRW am 8. Januar in der DZ Bank in Düsseldorf forderte Handwerkspräsident Andreas Ehlert angesichts von Stagnation und Strukturkrise ein grundlegendes Reformprogramm. „Teil davon muss auch eine Agenda zur Staatsmodernisierung sein, denn das Vertrauen vieler Menschen in die Handlungsfähigkeit unseres Staates schwindet.“ Ehlert sprach sich für eine neue Verwaltungskultur aus, die auf Vertrauen statt auf Kontrolle und Absicherung setze. „Überregulierung ist häufig Ausdruck von Misstrauen. Was wir brauchen, ist das Gegenteil: Sanktionen für schwarze Schafe, aber mehr Freiraum für die große Mehrheit der ehrlichen Betriebe“, erklärte der Handwerkspräsident. Zudem müssten Regelungen deutlich einfacher und mittelstandsfreundlicher werden. „Regulierung wird noch immer viel zu häufig an großen Unternehmen ausgerichtet und muss dann trotzdem auch von Kleinbetrieben umgesetzt werden. Sie sollte sich aber von Anfang an an kleinen und mittleren Unternehmen orientieren. Das bedeutet: kein überbordender Detaillismus, sondern klare und einfache Regelungen.“

Mit Blick auf viele Einzelinitiativen zum Bürokratieabbau warb Ehlert für eine klare Verantwortlichkeit für Staatsmodernisierung in Nordrhein-Westfalen. „Die nächste Landesregierung braucht ein Ministerium, das alle Fragen von Staatsreformen und Bürokratieabbau bündelt. Denn klar ist: Wirksamer Bürokratieabbau ist nur möglich, wenn wir nicht an den Symptomen herumdoktorn, sondern an den Ursachen ansetzen. Dafür brauchen wir eine grundlegende Agenda zur Modernisierung des Staates und seiner Strukturen.“ 

Der Festredner Prof. Dr. Justus Haucap, Direktor des Düsseldorf Institute for Competition Economics (DICE) der Heinrich-Heine-Universität und Mitglied im Wissenschaftlichen Beraterkreis des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, erläuterte unter dem Titel „Wirtschaftsstandort Deutschland: Wie überwinden wir die Wachstumsschwäche?“ zentrale Aufgaben der Wirtschaftspolitik, um im Jahr 2026 einen konjunkturellen Aufschwung einzuleiten. Dabei forderte er Mut zu grundlegenden Reformen und eine Rückkehr zu den Prinzipien der Ordnungspolitik. „Die Konjunktur zeigt erste Anzeichen einer Erholung, doch Deutschland wächst weiterhin schwächer als vergleichbare Nachbarländer. Unser Wachstum basiert zu sehr auf Staatskonsum statt auf privaten Investitionen. Als exportabhängiger und energieimportierender Standort trifft uns Protektionismus zudem besonders hart. Nachdem der Herbst der Reformen im letzten Jahr weitgehend ausgeblieben ist, brauchen wir deshalb jetzt dringend einen Frühling der Reformen“, erklärte Prof. Haucap vor rund 230 Gästen. 

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